Soziale Determinanten von Gesundheit
Ob Menschen gesund oder krank sind, hängt davon ab, in welchen sozialen Bedingungen sie leben. Solche “sozialen Determinanten” können z. B. Diskriminierung, Vermögen und Einkommen, Wohnverhältnisse, Arbeitsbedingungen oder Umweltfaktoren sein. Es ist daher nicht sinnvoll, dass unser Gesundheitssystem stark auf die Eigenverantwortung des Einzelnen ausgerichtet ist. Wir wollen, dass die gesellschaftlichen Ursachen von Gesundheit und Krankheit (Soziale Determinanten) stärker beachtet werden.
Alternativtext: Die Grafik zeigt ein Kreisdiagramm mit mehreren thematischen Bereichen, die als soziale Determinanten von Gesundheit dargestellt werden. In der Grafik ist mittig die Silhouette des Oberkörpers einer Person zu sehen. Rund um die Person sind in Kreisen die jeweiligen Einflussfaktoren angeordnet. Zu den Faktoren gehören Diskriminierung, Einsamkeit, Wohnen, Stress, Umwelt, Einkommen, Arbeitsbedingungen, Mobilität, Bildung und Zugang zur medizinischen Versorgung.
Diskriminierung
Menschen, die regelmäßig Diskriminierung erleben, haben ein höheres Risiko für psychische und körperliche Krankheiten. Diskriminierung kann Angst, Wut, Frustration und somit chronischen Stress verursachen, der das Immunsystem schwächt und das Risiko für Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Depressionen erhöht. Neben Bildungsarbeit und Repräsentation braucht es gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine generelle Kultur, die Diskriminierung jeglicher Art nicht akzeptiert oder toleriert und klar dagegen einsteht.
Einsamkeit
Einsamkeit belastet sowohl die psychische als auch die körperliche Gesundheit erheblich. Die Risiken eine Depression oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bekommen oder früher zu sterben, steigen. Wirksame Maßnahmen gegen Einsamkeit (Nachbarschaftsprogramme / Vereinsengagement /Begegnungsorte) setzen bei strukturellen Veränderungen an, die Teilhabe ermöglichen und Einsamkeit vorbeugen. Auch der Blick in das eigene Umfeld und die (Für-)sorge um Freund*innen, Familie, Nachbar*innen und auch Menschen, die wir persönlich nicht kennen, helfen im Alltag Einsamkeit zu bekämpfen.
Wohnen
Zu wenig Platz, Lärm, unsichere Mietverhältnisse und hohe Mieten verursachen Stress und belasten. Ein gutes Zuhause, das bezahlbar und sicher ist, ist sehr wichtig für die Gesundheit. Gebraucht wird die Förderung von bezahlbarem Wohnraum und das die Städteplanung Erholung, Begegnung und Mobilität ermöglicht. Das fördert soziales Miteinander und die Lebensqualität.
Stress
Chronischer Stress schwächt das Immunsystem und erhöht das Risiko für Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Depressionen. Stress ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf Anforderungen, kann aber bei dauerhafter Belastung krank machen. Er ist sozial ungleich verteilt, da Menschen mit mehr Einkommen oft mehr Kontrolle und Sicherheit in ihrem Leben haben. Sozialer Zusammenhalt und eine gerechtere Verteilung von Ressourcen (wie Geld, Wohnraum, Zeit, etc.) sind wichtige Schutzfaktoren gegen chronischen Stress
Umwelt
Nicht nur Schadstoffe in Lebensmitteln oder Alltagsgegenständen, sondern auch Feinstaub, Lärm und UV-Strahlung können chronische Krankheiten wie Asthma, Bluthochdruck oder Krebs verursachen. Umweltbelastungen treffen arme Menschen häufiger, was ihre Gesundheit stärker gefährdet. Neben der natürlichen Umwelt beeinflusst auch die gebaute Umwelt – wie Städte, Straßen, Verkehr und Infrastruktur – das Wohlbefinden, die Bewegung, den sozialen Zusammenhalt und die Erreichbarkeit im Alltag. Macht- und Wirtschaftsinteressen prägen die Gestaltung von Städten und führen zu räumlicher Ungleichheit, die sich deutlich in großen Gesundheitsunterschieden zwischen Stadtteilen zeigt. Es braucht daher eine Stadtplanung, die Erholungsräume in Stadtteilen priorisiert und Bewohner*innen bestmöglich vor schädlichen Umwelteinflüssen schützt.
Einkommen
Das Einkommen ist ein entscheidender Faktor für die Gesundheit. Menschen mit wenig Einkommen und Vermögen fühlen sich gesundheitlich stärker eingeschränkt. Sie sind statistisch gesehen häufiger chronisch krank und sterben früher. Ein höheres Einkommen verbessert die finanzielle Sicherheit und reduziert gesundheitsschädlichen Stress. Gewerkschaften stärken die Mitbestimmung von Beschäftigten und tragen durch bessere Arbeitsbedingungen zu mehr Gesundheit bei. Es benötigt aber unbedingt einen gut ausgebauten Sozialstaat für einen leichteren Zugang zu Sozialleistungen, der auf Beratung statt Sanktionen setzt. Dieser schützt vor Armut und sozialer Ausgrenzung und wirkt damit stabilisierend auf die körperliche und psychische Gesundheit
Arbeitsbedingungen
Schlechte Arbeitsbedingungen, wie hoher Zeitdruck, unsichere Verträge, oder fehlende Mitbestimmung führen zu höherem Stress, mehr Krankheitstagen und langfristig schlechterer Gesundheit. Gute (gewerkschaftliche) Organisation der Arbeit, Pausen und ein gutes Arbeitsklima mit einem wohlwollenden und füreinander einstehenden Team, helfen Arbeitsbedingungen bestmöglich zu gestalten.
Mobilität
Eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr spart Zeit und entlastet den Alltag.
Mobilität bestimmt, wie gut Menschen am gesellschaftlichen, kulturellen und beruflichen Leben teilnehmen können.
Eine schlechte Verkehrsanbindung, teurer öffentlicher Nahverkehr oder fehlende Rad- oder Fußwege haben Anteil an sozialer Isolation, besonders bei älteren Menschen und sozial benachteiligten Gruppen.
Da Mobilität ungleich verteilt ist, kann ein kostenloser und gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr gesundheitliche Ungleichheiten verringern und die Gesundheit fördern.
Bildung
Ein guter Schulabschluss oder eine Weiterbildung hilft, bessere Jobs zu bekommen. Bildung hilft auch, mehr über Gesundheit zu wissen, Krankheiten vorzubeugen. Gute Bildungsangebote und leichter Zugang zu Lernen stärken die Fähigkeit, selbstbestimmte und gesunde Entscheidungen zu treffen. Es braucht niedrigschwellige, kostenlose Bildungsangebote für alle Menschen – auch zum Thema Gesundheit, Prävention und Krankheitsvorbeugung.
Zugang Versorgung
Der Zugang zur medizinischen Versorgung hängt stark von der Struktur des Gesundheitssystems ab. Menschen in benachteiligten Regionen erleben häufiger Barrieren wie lange Wartezeiten oder unklare Zuständigkeiten. Nur durch systemische Reformen, mit besserer regionaler Planung und einer multiprofessionellen Zusammenarbeit lässt sich eine gerechte und an Prävention orientierte Versorgung erreichen. Gebraucht werden mehrsprachige, niedrigschwellige und Wohnortnahe Angebote, sowie die enge Betreuung durch unterschiedliche Gesundheits- und Sozialberufe.
Alternativtext: Halbkreisförmige Grafik zu sozialen Determinanten von Gesundheit. In der Mitte steht „Geschlecht, Genetik und Alter“. Darüber folgen Schichten mit den Beschriftungen „persönliche Lebensstilfaktoren“, „soziale und kommunale Netzwerke“ sowie „Lebens- und Arbeitsbedingungen“ mit den Begriffen Arbeitssituation, Bildung, Wohnen, Arbeitslosigkeit, Umwelt und Gesundheitswesen. Die äußerste Schicht heißt „allgemeine Bedingungen der sozioökonomischen, kulturellen und physischen Umwelt“. Die Farben der Schichten wechseln von dunklerem Blau in der Mitte zu sehr hellem Blau außen.
Was unsere Zentren über soziale Determinanten von Gesundheit schreiben:
Und hier noch weitere Informationen: